From Far Away
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daily life lyric

Nach dem Wahnsinn = vor dem Wahnsinn

Manchmal trifft man unbewusst die richtigen Entscheidungen. In meinen Fall hat das eher was von ein kurzsichtiges Huhn trifft bei konstanten Pickversuchen irgendwann mal auf ein Körnchen ... oder legt einen Weblog an.

Tage lang bin ich mit einem mulmigen Gefühl um den Briefkasten herumgeschlichen, wohl wissend dass in nicht allzu ferner Zukunft ein Bescheid über den von mir gestellten Reha-Antrag auf mich wartet. Irgendwie versucht man mit der Ungewissheit zu leben, auch mit den Ängsten, die auf einen lauern, lähmen und immer wieder attackieren. In dieser bis zum Zerreißen drohenden Angespanntheit ist man bereits damit bestens ausgelastet irgendwie weiterzuatmen. Das klingt lächerlich, aber wer unter Angst- und Panikzuständen leidet, weiß wie groß die Herausforderung des Weiteratmens werden kann. Für einen gesunden Menschen erscheint Atmen die einfachste, automatisierteste und selbstverständlichste Sache der Welt. Es funktioniert einfach, man tut es einfach, man denkt nicht drüber nach. Haben einen aber Angst und Panik einmal im Klammergriff, bedeutet Atmen soviel wie Luft holen unter Wasser. Mit jedem Atemzug wird Wasser in die Lungen gesogen, der Sauerstoff wird immer knapper, die Atemzüge unkontrollierter und hektischer. Der Brustkorb wird wie durch einen eiserenen Gürtel zusammengequetscht, den benötigten Sauerstoff bekommt man nicht. Atmen wird zum Kampf. So ist das bei uns.

Ich hatte eine weitere Woche mit massiven Ängsten zugebracht, wertlose, ungelebte Zeit bis ich mich an die Wasseroberfläche zurück gekämpft hatte um zumindest halbwegs wieder durchatmen, dem "Alltag" halbwegs wieder begegnen zu können. (Und selbst das ist eher der Versuch einen Berg mit angezogener Handbremse hinaufzufahren. Aber wie gesagt wer regelmäßig damit beschäftigt ist nicht zu ertrinken, für den sind Phasen in denen man einen Berg hochschneckt eine willkommene Abwechslung und durchaus als Verbesserung der "Lebensqualität" zu beurteilen)

Es ist eine alte Binsenweisheit, dass schlechte Nachrichten  einen für gewöhnlich genau dann erreichen, wenn man am wenigsten damit rechnet; gestern zum Beispiel. Es war ein herrlich klarer Wintertag. Der Himmel zeigte sich knallblau und die Sonne lachte. Nach der Angespanntheit der letzten Tage und tiefverhangenen dunklen wolkigen Tagen wirkte der Tag herrlich einladend und vitalisierend. So sehr, dass ich mich für befähigt fühlte, mich aus meinem Schneckenhaus herauszuschälen und sogar die Einladung auf einen Stadtbummel angenommen hatte. Es war ein leichter Tag, ohne Ängste und Sorgen, einfach mal gut sein lassen. Und es war der Tag an dem ich abends den Ablehnungsbescheid aus dem Briefkasten fischte. Und obwohl man weiß, dass diese Option besteht, ist es erst einmal wieder ein kleiner Zusammenstoß mit dem eigenen Schicksal. Also wieder einmal Kraft, Mut und Zuversicht zusammenkehren. Widerspruch vorbereiten. Notwendigkeiten planen. Aber da ist auch unterschwellig die Konfrontation mit der Wut als mittlerweile chronisch kranker Mensch trotz Gutachten und Bescheinigungen, die Anerkennung erstreiten zu müssen, dass massive Beeinträchtigungen vorliegen. Eine Kampfansage mehr, ja so spielt das Leben. Aber ich müde und erschöpft. Im Grunde habe ich genug mit mir selbst zu tun. Hilft aber alles nix, es bleibt bei der alten Erkenntnis:

Nach dem Wahnsinn = vor dem Wahnsinn.

Irgendwas ist ja immer und meist dann, wenn man es eigentlich nicht gebrauchen kann.
 

 

29.1.14 12:33
 
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